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Tischtennis in Neuseeland- ein Bericht von Jana Franken


Neuseeland und Tischtennis – eine Kombination, die den meisten wohl eher fremd und etwas fragwürdig erscheinen mag. Und das nicht ohne Grund. Denn wenn mal man ehrlich ist, hat wohl noch niemals ein Werner Schlager der Südsee großartig von sich reden gemacht.

Viel eher verbindet man den Inselstaat auf der südlichen Hemisphäre mit kräftigen Maori Rugby-Spielern oder schicken Sportsmännern, die ganz britisch, im weißen Dress ihre Zeit mit Kricket vertreiben. Aber dennoch: Das Spiel mit dem kleines weißen Ball existiert, wenn man auch danach suchen muss.

Als ich mich also aufgrund meines Praktikums nach Wellington begab, machte ich mich ein wenig schlau und informierte mich über Tischtennisvereine, die ich besuchen könnte. Da ich ein Zimmer im Stadtteil Karori gefunden hatte, lag es nahe einen ersten Versuch beim Karori TTC zu starten. Dieser traf sich einmal wöchentlich im örtlichen ‚Recreation Centre’.

Ich machte mich also mit meiner ‚Plecke’ auf den Weg und staunte nicht schlecht, als ich das erste Mal in meinem Leben auf ‚Fredman-Tables’ zu spielen begann. Die Vereinsmeier des Clubs schienen damit aber kein Problem zu haben und spielten vergnügt drauf los, mit Straßenschuhen, Jeans und dem Vereinstrikot versteht sich. Vielleicht kann man nachvollziehen, dass ich mich mit dieser doch etwas zu legeren Haltung nicht einwandfrei identifizieren konnte.

Aus diesem Grund bemühte ich mich im Verein der Uni Fuß zu fassen, da ich mir erhoffte, auf mehr Ehrgeiz und Professionalität zu stoßen – womit ich wiederum falsch liegen sollte. Zwei Platten im Rezeptionsbereich des Uni-Sportzentrums und eine Reihe 17-jähriger, die erstmalig einen Schläger in der Hand hielten, machten meinen Optimismus zunichte und ließen Karori schon wieder in einem weit positiveren Licht dastehen.

Da beide Vereine nun nicht unbedingt meinen Vorstellungen entsprachen, entschied ich mich, den Gedanken an Tischtennis erst einmal beiseite zu legen. Ich begann zusammen mit meiner Mitbewohnerin einen Salsa-Kurs.

Doch ob ihr es glaub oder nicht: Nach einiger Zeit juckte es mir dann schließlich doch wieder in den Fingern die ‚Club-Night’ einer Spielgemeinschaft zu besuchen. Dieses Mal holte ich mir vorab meine Kollegin Sonja mit ins Boot, die vor einigen Jahren in Hessen den Schläger geschwungen hatte. Gemeinsam suchten wir im Internet nach potentiellen Vereinen. So stießen wir auf den Empire Table Tennis Club in Petone, der, was uns vielversprechend erschien, einige Fotos mit Joola-Platten auf seine Website gestellt hatte.

Um halb 7 am darauf folgenden Montag waren Sonja und ich also mit von der Partie. Wir wurden zunächst an der Kasse empfangen und mussten 7NZD (~4,00€) für unsere Trainingbeteiligung bezahlen. Dann versuchte man unser Spielniveau einzuschätzen und fragte uns nach unserem ‚Ranking’. Sonja und ich schauten uns verdutzt an und konnten dem Kassierer leider keine Antwort geben. Wie sich später herausstellte ist es in Neuseeland üblich seine Spielstärke durch eine Nummer von 1-10 (von gut nach schlecht) anzugeben. Da wir zuvor verständlich gemacht hatten schon einige Jahre Tischtennis - Erfahrung auf dem Buckel zu haben, beschloss man erst mal uns als 5en einzustufen, also im Mittelfeld.

Nach einer kurzen Einspielphase wurden wir nun in kleine Gruppen aufgeteilt, unserem Ranking entsprechend. Durch eine Beamer-Projektion konnte ich nun also meinen zugewiesenen Tisch und meine Gegner ermitteln. An etwa 20 Tischen, mit Hochsitz-Zählgeräten ausgestattet, wurden daraufhin Gruppenspiele absolviert. Schnell merkte ich, dass man mein Ranking wohl doch falsch eingeschätzt hatte. Man sagte mir nach 3 Gruppenspielen ohne Satzverlust zu, mich für die kommende Woche als 4 einzustufen.

Sonja und ich erfuhren später, dass die beschriebenen Gruppenspiele auf dem Training in gewissen Wochen-Abständen wiederholt werden, um zu sehen, inwiefern man sich verbessert oder verschlechtert hat und im Ranking auf- oder absteigt. In der Zwischenzeit spielt man während der ‚Club-Nights’ gegen Trainingspartner seines ‚Rankings’, die zugewiesen und viertel-stündlich ausgetauscht werden. Das garantiert wechselnde Trainingspartner und eine gerechte Inanspruchnahme der Tischtennisplatten. Bei einem Teechen und Plätzchen, woran man sich während des Trainings bedienen konnte, wurde das von Sonja und mir aber nicht gerade als effektiv eingeschätzt. Das mit dem Tee und den Keksen kam uns übrigens auch sehr spanisch vor und wir überlegten daraufhin wie unsere neuen Vereinskollegen wohl gucken würden, wenn wir nun ein Bier aus unserer Tasche zaubern würden.

 

Gegen Ende des Trainings, um halb 10, wurde die Tischtennis-Gemeinschaft darauf hingewiesen, dass schon bald die ‚Interclub-Serie’ beginnen würde. Hierunter muss man sich eine Wellington-interne Saison vorstellen, die einmal wöchentlich ausgetragen wird und zu der man sich separat anmelden kann. Außerdem wurde gesagt, dass jeder der private, kostenpflichtige Trainingseinheiten wolle, sich ebenfalls bei einem der Trainer kundig machen solle. Auch zu Senioren- und Familienvormittagen wurde herzlich eingeladen. Sonja und ich entschieden uns allerdings auf dem Rückweg weiterhin nur die ‚Club-Nights’ wahrzunehmen und uns langsam auf dieses neuartige Tischtennis-Erlebnis einzulassen.

 

 

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