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Erster Marathon Andreas Pohle


Heute war der Vivawest-Marathon. Eigentlich hatte ich mich (noch) gar nicht besonders für ihn interessiert, doch Andreas Pohle, einer mit ich auch Tischtennis spiele, hatte letztes Jahr auf unserer Mannschaftsfahrt mal geäußert, dass er schon auch irgendwann ganz gerne mal einen Marathon versuchen möchte. Ganz entgegen meiner Art, sagte ich ihm meine Unterstützung dabei zu. Dann wurde es konkret eben Vivawest, der frühere Ruhrmarathon. Auch ich meldete mich an, womit die Sache für mich erstmal erledigt war. Doch dann bekam ich mit, dass er am Sonntag nach dem letzten Bundesliga-Spieltag ist. Da wir in der Nachbarschaft eine diesbezügliche Tippgemeinschaft haben, feiern wir dann immer ab ca. 15 Uhr zusammen. Dann gibt es Kaffee und 7 bis 12 Stücke Kuchen ... mit Bier. Dann wird der Tippkönig gekrönt ... mit entsprechenden Getränken, bevor gegrillt wird ... mit Bier.
Also eine optimale Vorbereitung für einen Marathon.

Nach einer nicht unheftigen Arbeitswoche - mit Fahrtzeiten waren es wohl 65 Stunden - war ich Freitag schon leicht geplättet. Dann haben wir mit den Orgateams für unseren Volkslauf getagt, bevor ich noch kurz meine Saunakollegen besuchte. Samstag morgen habe ich dann kurz beim Aufbau für das Tippfest geholfen; mit einem 11-Ührken natürlich. Nach dem Mittagessen ging's rüber und ich hielt mich mit drei Stücken Kuchen mächtig zurück. Dann habe ich anschließend ich nur ein Stück Hähnchen und eine Grillwurst gegessen. Aber es gab auch Bohnensalat und leckeren selbstgemachten Krautsalat. Anschließend die üblichen Nüsschen, Cashew-Kerne und jede Menge Schoko-Scheiße. Da hätte ich vielleicht mehr Schnaps trinken sollen, um meinen Magen wieder zu entrümpeln.

Nun hatte ich heute morgen noch so ein kleines Völlegefühl. Vielleicht kann ich mir durch das Frühstück noch so einen kleinen positiven Schub geben.
Ich hatte mal Knäckebrot geholt, dass noch da war und noch nicht allzu lange abgelaufen ist. Ein guter Anfang. Was kommt drauf? Das isses. Hinten im Schrank finde ich Aprikosenmarmelade. Das ist positiv, denn die erinnert mich an Nussecken. Da ist zwar eine dünne weißgrünliche Schicht drauf, aber ich habe mal gehört, dass die darunter liegende Marmelade nicht schlecht wird.
Mal schauen, wie lange der Positiveffekt anhält. Dann holt Andreas mich ab. Er ist froh, dass er überhaupt laufen kann. Die Ärzte meinten, dass er eine fiese Erkrankung an der Schilddrüse habe, weswegen er die letzten vier Wochen nicht trainieren durfte. In den letzten Untersuchungen hatte sich dann jedoch zum Glück herausgestellt, dass die Schildkröte wohl in Ordnung, daneben aber eine Zyste ist, die sich - insbesondere beim Laufen - mit Flüssigkeit füllt (oder so ähnlich).
Also darf er laufen; nur seinen ohnehin knapp getakteten Trainingsplan konnte er nun nicht einhalten. Gerne hätte er es in unter 4 Stunden probiert, meint aber, dass das wohl nix werden könne.
In meiner heutigen Magen/Darm und Müdigkeitssituation kam mir das ja eigentlich nicht völlig ungelegen. Aber Andreas meint, wir sollen mal schauen, was geht.
Es waren auch einige Lauftreffler auf der 10-km-Strecke und beim Halbmarathon unterwegs. Aber leider waren die Startzeit des Halbmarathons und der Startort des 10-ers so gelegt, dass wir uns wohl nicht sehen werden.
Dann stehen wir am Start und müssen erst mal warten, weil die Streckenfreigabe nicht erteilt wurde. Nach einer Viertelstunde geht's dann doch los. Die Sonne scheint vom Himmel, aber vor 10 Uhr ist es noch ganz angenehm temperiert. Der Streckenverlauf ist neu und soll insgesamt flacher sein, als bisher. Das ist er vermutlich auch, aber als Niederrheiner merkt man schnell deutliche Unterschiede zu den Strecken zu hause. Gleichwohl halten wir erstmal ein Tempo von 5:30/5:40 min/km. Ich frage Andreas mehrmals, ob wir nicht besser langsamer machen sollen. Aber es geht. Dann wird es langsam wärmer. Je höher die Sonne an den Himmel wandert, desto weniger Schatten ist auf der Strecke. Und dadurch wird es auch gleich richtig wärmer. Andreas meint aber, dass er sich gut fühlt, und ich bin nicht sicher, ob ich nicht doch eingreifen soll. Leider tue ich es nicht. Erst nach gut 15 km macht er erste Anzeichen, dass wir zu schnell angegangen sind. Ich nehme sofort Tempo raus, und er nimmt es sofort an. Mal schauen, ob es rechtzeitig war. Noch vor der Halbmarathonmarke meint er, dass er sich schon recht platt fühlt. Jaa. Ich war nicht rechtzeitig; darf mir allerdings zugute halten, dass es schon auch ziemlich plötzlich so warm und schattenfrei wurde. Und er ist erst jetzt selbst überzeugt, dass unter 4 Stunden heute nicht möglich ist. Es ist noch früh, aber auf den nächsten Kilometern wird es schon hart und wir machen eine erste Gehpause, die aber erholsam ist. Insbesondere an den Verpflegungsstationen habe ich ein Déjà-vu. Denn Andreas kann beim Laufen nicht trinken. Dann gehen wir eben. Deutlich langsamer, als zu Beginn kommen wir voran, aber wir kommen voran. Mein rumorender Magen findet das ganz OK; und ich könnte jetzt eh nix dran ändern. Doch dann bekomme ich von ihm die Info, dass sich Krämpfe ankündigen. Na dann machen wir jetzt erstmal ganz vorsichtig. Mich beruhigt aber, dass Andreas zeigt und auch sagt, dass er ins Ziel will. Da muss ich ihn gar nicht besonders motivieren, sondern ihn nur aufheitern, dass ihm der Spaß nicht vergeht. Also sorge ich für manchen Applaus und die ein oder andere La-Ola-Welle des Publikums für uns. So was kriege ich ja meistens hin. Doch dann sagt er, dass ihm etwas schwindelig ist. Wie zieht man die Notbremse, ohne anzuhalten und ohne dem Beteiligten ein ungutes Gefühl zu vermitteln? Wir machen noch etwas sachter, nehmen uns noch mehr Zeit an den Verpflegungsstationen und ich fange Gespräche mit Helfern und anderen Läufern an, in die ich ihn einbinde.

Klappt.

Auch 4 einhalb Stunden werden wir nicht schaffen. Mir ist es schon lange egal, mittlerweile uns beiden. Doch knapp 5 Kilometer vor Schluss wird es nochmal eng. Ihm sei nicht gut, sagt er. Da vorne ist eine Bank. Jetzt kommt Trick Mai. Hinlegen! befehle ich ich. Er setzt sich hin. Hinlegen!! Geht doch. Er will zwar nicht, aber zu ein paar Minütchen Ruhe bringe ich ihn. Dann will er weiter. Ich bin nicht sicher, ob es schon geht und habe ihn sehr genau im Blick. Aber es geht. Mit 'ner Mischung aus Laufen und schnellem Gehen hält er seine Beine krampffrei, und wir kommen dem Ziel immer näher. Jetzt hält uns nix mehr auf. Auch Andreas ist wieder voll da; wenn wir die Beine ignorieren, geht es ihm gut. Und Richtung Zielgerade wird auch er euphorisch. In der letzten Kurve feuert Ulla uns an; mehr sollte ich vom Lauftreff heute nicht live erleben (außer dass WhattsApp in Teilbereichen explodierte).
Bei 4:42:37 h sind wir drin und happy. Ein paar Kilometer lang haben wir uns schon auf den Bierstand gefreut - auch wenn es alkoholfrei ist. Ein bisschen Apfel, Kuchen Fleischwurt, Müsliriegel später haben wir jeder einen Becher in der Hand und setzten uns stilecht auch auf eine Bierzeltgarnitur.



Das war doch trotz allem, was unterwegs nicht ganz rund lief, wieder ein richtig gelungener und letztlich auch erfolgreicher Tag. Und dazu mein größter Respekt; den ersten Marathon unter diesen Umständen so cool zu Ende zu laufen, muss man erst mal bringen. Möchte noch jemand seinen ersten Marathon laufen. Am 11. Juni in Duisburg bin ich noch frei.

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